Yoshitomo Nara: „LIFE IS ONLY ONE!“

7. November 2016

Die kleinen traurigen Mädchen mit den riesigen, feucht schimmernden Augen hat fast jeder schon einmal gesehen. Die Postkarte Life is only One! zeigt genau so ein Mädchen, den Blick starr ins Leere gerichtet und einen kleinen Totenschädel in den Händen. Es war eines der Motive, mit denen der weltbekannte Künstler 2015 für seine gleichnamige große Ausstellung in Hongkong warb.

Nara wurde 1959 in Hirosaki (Nordjapan) geboren. In einem Interview mit der Art Review Asia berichtete er, dass er sich in seiner Jugend oft einsam gefühlt habe. „Es gab weder Kunst, noch Freunde, mit denen ich über Kunst sprechen konnte. Ich war einsam und umgeben von Apfelbäumen. Also sprach ich mit den Bäumen, dem Hund und den Schweinen.“ Offensichtlich hat Nara eine besondere Sensibilität für die Natur entwickelt, aber auch gelernt, seine eigenen Gefühle zu akzeptieren. Viele Anregungen kamen aus der Musik. Als Teenager sprach er noch nicht englisch, konnte also die Texte der Lieder nicht verstehen. Am Liebsten hörte er Neil Young oder die Rolling Stones, dabei schaute er zur Decke und sich stellte sich vor, wovon die Lieder erzählen. „Das war ein ziemlich gutes Training“ sagt er heute, denn „bevor ich male, brauche ich ein „Storytelling“. Erst dann können die Bilder entstehen.


Er studierte bildende Kunst an der Aichi Prefectural University of Fine Arts and Music, danach lebte und arbeitete er zwölf Jahre in Düsseldorf. Auch hier haben die „Unzulänglichkeiten der äußeren Welt“ seine innere Welt bereichert. Heute lebt Yoshitomo Nara wieder in Japan, in Tokio.

Doch kommen wir noch einmal auf die kleinen Mädchen zurück. Bei Nara sind sie zwar klein, aber sie sind nicht hilflos. Sie können unheimlich wütend werden und man glaubt ihnen sofort, dass sie es ernst meinen.

Sie können auch endlos traurig sein, dann fließen die Tränen unaufhaltsam aus den weit geöffneten Augen wie auf dem Bild "Don’t cry". Es sind Momente totaler Hilflosigkeit, wie sie jede und jeder schon erlebt hat.

Manchmal aber wirken Naras kleine Mädchen auch unbeschwert und grinsen in sich hinein, meist dann, wenn sie etwas angestellt haben. Und manchmal können sie auch total cool rüberkommen, wie das Mädchen bei "Love me".


Von Yoshitomo Nara gibt es nicht nur Bilder, sondern auch Skulpturen, Bücher und Filme. Oft verfremdet er auch Alltagsgegenstände, wie in Pup Cup.


Großen Einfluss auf Yoshitomo Naras Arbeit hatte der etwa gleichaltrige japanische Künstler Takashi Murakami. Dessen Superflat-Theorie strebt eine totale Vermischung von japanischer Tradition, Design, Mode, Film und Pop Art an. Nach dem Vorbild Andy Warhols gründete er für die Umsetzung seiner Ideen die Hiropon Factory. Die von ihm kreierte Stilrichtung wurde in Japan sehr populär und wird auch als Neo-Pop bezeichnet. Doch während Murakamis Charaktere praktisch emotionslos daherkommen, sind Gefühle das Wesentliche in der Kunst Yoshimoto Naras. Trotz, Unnahbarkeit, Ängstlichkeit und Zorn sprechen aus den Gesichtern seiner Mädchen, oft erzählen ihre großen Augen von Einsamkeit und Melancholie. Aber trotz aller Missstände haben sie – genauso wie ihr Schöpfer Yoshitomo Nara – die Hoffnung auf eine bessere Welt nie aufgegeben und sie wissen: „Life is only one!“

Taucht ein in die Welt von Yoshimoto Nara:
Yoshimoto Nara on Twitter
Yoshimoto Nara on Instagram
Yoshimoto Nara on Facebook
 
DANKE. GERNE TEILEN.