Danijel Cecelja: Vielleicht treibt unsere Welt im Bauch eines Wales durch das Weltall …

3. Mai 2017

Über Danijel Cecelja ist bisher nicht allzu viel bekannt. Er wurde 1982 in Frankfurt am Main als Sohn eines kroatischen Vaters und einer belgischen Mutter geboren. Internationalität und Mehrsprachigkeit sind ihm also in die Wiege gelegt. 

Als er sechs Jahre alt ist, zieht er mit seiner Mutter nach Antwerpen, mit Achtzehn beginnt er in Brüssel an der Akademie St. Lukas ein Kunststudium. In mehreren Ausstellungen zum Thema „Godmachine“, die er ab 2013 zeigt, macht er sich zum Schöpfer einer skurrilen, imaginären Welt, in der weder die Naturgesetze noch logisches Denken eine Rolle spielen. Trotzdem gibt es eine Fülle von Bezügen zu unserem Leben und unserer Welt.

In den herrvoragenden, mit Tintenstift gezeichneten „Wimmelbildern“ entdecken wir vieles Bekannte und Vertraute, es scheint aber als würden wir uns in einem Traum bewegen, völlig losgelöst von der Realität. Manche Figuren scheinen in irgendeiner Beziehung zueinander zu stehen, es ist jedoch nicht erkennbar was sie verbindet und was sie tun. 

Einigen Werken liegen ganz eindeutig religiöse Motive zugrunde, etwa dem Bild Arche. Gebaut hat diese Arche – wie es im biblischen Buch Genesis berichtet wird – der Patriarch Noah auf Geheiß Gottes, um seine Familie und alle Landtiere vor der großen Flut zu retten. Als das Unwetter vorüber ist, landet die Arche am Berg Ararat, wo Menschen und Tiere das Schiff verlassen, um erneut die Erde zu besiedeln.

Doch was hat Danijels Arche alles an Bord? Nicht Noah, sondern ein kleiner Napoleon mit gezücktem Degen befiehlt auf der Brücke des Schiffs den Auszug der Passagiere. Wie die Statue der Osterinsel seinen Befehl befolgen will, bleibt unklar. Ein Wikinger und ein Mitglied des Ku-Klux-Klan haben sich unter die Tiere gemischt, ein kleiner Drache verlässt soeben das Schiff. In der Menge entdecken wir unter anderem viele Totenköpfe, ein königliches Paar, einen Mann mit Zylinder und Bischofsstab sowie einen Clown, einen Löwen und ein Pferd.

 

Phantasiewesen mischen sich mit realen menschlichen Gestalten, doch ein logischer Zusammenhang lässt sich auch zwischen den verschiedenen Protagonisten und ihrer Umgebung nicht erkennen. Also lassen wir uns durch diese kleinteilige Traumwelt treiben. Hat der Bewaffnete an Bord Geiseln genommen? Gab es vielleicht eine Liebesgeschichte zwischen der maskierten Frau und dem behelmten Mann, was erzählt das Krümelmonster dem Indianer?

 

Wir erfreuen uns an dieser Zeichenkunst, an Danijels kleinteiligen Strukturen, an seinen phantastischen Charakteren und an der Bildkomposition, die all diese Einzelfiguren zu einer großen Form zusammenschweißt.

 

Auch die biblische Geschichte von Jonas und dem Wal deutet Danijel träumerisch um.

Wird im Buch Jonas nur ein Mensch vom „großen Fisch“ verschlungen und nach drei Tagen am Ufer des Meeres wieder ausgespien, bevölkern bei Danijel Hunderte von Figuren und eine ganze Stadt den Bauch des Wals – eine kleine Welt! Eine schöne Vorstellung, dass wir alle nicht auf einer verletzlichen Kugel durchs All schweben, sondern geborgen im Bauch eines riesigen Fischs gemächlich und gut geschützt durchs Weltall ziehen!

Eine dritte Serie von Zeichnungen befasst sich mit Tierporträts. Alle tragen hohe, seltsame Kopfbedeckungen, die irgendwo in den Wolken verschwinden und als Projektionsfläche für Stadtlandschaften und andere Wimmelbilder dienen.

Die Eule mit dem fein gezeichneten Federkleid schaut gelassen in die Welt, völlig unberührt vom bunten Treiben auf ihrem Kopf. Dort schaut ein Mond böse auf die Landschaft herab, außer ihm ziehen ein zweiter Himmelskörper, zwei Kleiderbügel und ein Hosenspanner über das Firnament. Ein überdimensional großer Baseballspieler sitzt in einem zerstörten Haus. Aus der Stadt bewegt sich ein Menschenstrom zum Ufer eines Sees oder Flusses, obwohl eine Steinbarriere den Weg teilweise versperrt. Ein Angler versucht gerade, einen Fisch an Land zu ziehen und ein Traktor steht verlassen im Feld. Wem gelingt es, zu diesem Bild eine Geschichte zu erfinden?

Wir versuchen es für dieses nächste Werk. Gern zeichnet Danijel Innenräume voller Menschen, wie auf Tractor & Chapel. Was ist die Geschichte des Bildes?

Innonenz der Schreckliche will sein Reich vergrößern, deshalb soll seine Tochter den Bengel vom Nachbarfürsten heiraten. Sie spielt aber viel lieber mit ihrem großen weißen Löwen. Dieser frisst gerne Diener, die er immer sehr sorgfältig abnagt, sie leben als Gerippe weiter. Einige haben sich unter die Gesellschaft gemischt und der zuletzt Gefressene darf den Löwen sogar streicheln.

 

Die Gäste erscheinen mit großem Gefolge. Alles hätte gut enden können, doch Innozenz’ Tochter blickt mehr als finster! Das soll ein Hochzeitsgeschenk sein? Für eine Prinzessin, für die schönste weit und breit? Ein Traktor, das ist eine Unverschämtheit, eine Beleidigung! Selbst der weiße Löwe kann es nicht fassen, fasst fallen ihm die Augen aus dem Kopf. Und dem Hofnarren, der sich seine lustigsten Geschichten für das große Fest aufgespart hatte, ist das Lachen vergangen, traurig hat es sich auf die Bank sinken lassen. Sogar das Mondschwein, das gerade am dunklen Himmel vorbeifliegt, quiekt entsetzt. So ist die Prinzessin immer noch zu haben, wer das passende Hochzeitsgeschenk hat, kann gern um ihre Hand anhalten.


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